22. Mai 2017

Supermarathon: Früher war ich mal schneller

Matthias Schulze läuft seinen 40. Supermarathon auf dem Rennsteig und deshalb widmete ihn die Regionalzeitung eine ganze Seite. So stand ich bei meinem achten Start faktisch als Frischling auf dem Eisenacher Marktplatz. Eigentlich fühlte ich mich gut und hatte hinreichend viele Kilometer dieses Jahr  zurückgelegt. Die Hitze und das Unwetter der Vortage war vorbei. Doch der Ausstieg vor drei Jahren in Oberhof hat mich Demut gelehrt. In Würde Ankommen war das Ziel.


Die üblichen Begrüßungen untereinander vor dem Start waren vertraut. Ich sah Inga und Thielo und wieder einmal erkannten mich einige Läufer, bei denen ich nur vage Vorstellungen habe, woher ich sie kenne. Aber keiner war dabei, der als Opfer in Frage kam, mit mir die nächsten Stunden laufend zu verbringen.

Einen richtigen Plan hatte ich nicht, als ich allein unter 2.000 Läufern loslief. Bald war Gabi neben mir, mit der ich vergangenes Jahr bis zum Inselsberg lief, bevor sie mir wegrannte. Dieses Jahr ließ ich sie schnell ziehen, als ich Dagmar und Silvo überholte, die ich für Mario und Christin verließ bis Sandra kam, die von Petra abgelöst wurde. Außerdem waren da noch einige andere, die ich erwähnen müsste. Bis zum Inselsberg wechselte ich so zwischen den Lauffreunden hin und her. Dabei war ich keineswegs zu schnell – auf dem Inselsberg war ich viel später als jemals zuvor. Dafür lag der Turm in der Sonne und hob die Stimmung weiter.
Die Bummelei hatte den schönen Effekt, dass ich mich so frisch wie noch nie fühlte und nun viele Hügel hoch lief, die ich eher wandernd in Erinnerung habe. Die Sonne schien und an der Verpflegungsstelle Possenröder Kreuz ist der einsame Bläser durch eine ganze Kapelle ersetzt worden.

Ein Ultra wird im Kopf gelaufen. Wenn man denkt, „Nur noch ein Marathon“ und dann „Nur noch 30 Kilometer“, ist alles in Ordnung. Nun waren Carsten und Ines in meiner Nähe und da war auch schon Oberhof. Die fehlende Zeit vom Inselsberg hatte ich nicht wesentlich hereinlaufen können. So ein bisschen rechnete ich, ob es noch 9 Stunden werden, was ja immerhin im letzten Jahr meine schlechteste Zeit war. Konstanze, mit der ich viele Kilometer lief, hatte sie fest im Blick. Doch irgendwie war es mir nicht wert, mich dafür zu quälen und  so ließ ich Konstanze ziehen.

Vor dem Beerberg fiel ich letwas länger in den Wanderschritt als die anderen noch liefen und hatte erstmalig das Gefühl zurück zu fallen. Kurz vor der Schmücke stellte sich der übliche Krampf ein, was eine längere Gehpause verursachte. An der letzten Verpflegungsstelle nahm ich den obligatorischen Becher Bier, der auch nicht durch zügige Laufbewegungen gefährdet werden durfte. Das Vorhaben, mit Carsten gemeinsam ins Ziel zu laufen, scheiterte an der nach 70 Kilometern mangelnden Geschwindigkeitsregulierung.


Da war es dann auch, das schönste Ziel der Welt, das mir wieder kleine Freudentränen beim Zieleinlauf entlockte – selbst wenn ich 10 Minuten länger als im Vorjahr gebraucht habe. Auch dass Cabo an der Gepäckwiese meinte, ich wäre doch sonst schneller gewesen, störte mein Wohlbefinden nicht -  in Würde mit Freude angekommen!

Kommentare:

Tati hat gesagt…

Ja, in Würde ankommen ist manchmal das bessere Ziel. Glückwunsch zum Finish. Ich denke mal dir geht es dafür jetzt muskulär recht gut ... ohne Kater und andere Wehwehchen?!
Ich konnte heute schon wieder sehr gut durch unseren THW rennen und am Mittwoch ist gleich mal ein 10er Wettkampf :-o .

Erhol dich gut! Liebe Grüße
Tati

lizzy hat gesagt…

a little bit of Dagmar in your Lauf, a little bit of Christin by your side, a little bit of Sandra 's all you need, a little bit of Petra all day long, a little bit of Carsten, Ines, Constanze ... here you are ... ... ich weiß gar nicht, wieso ich beim Lesen an dieses Lied denken musste - scheint ein rhythmischer Lauf mit Schwung im passenden Tempo für dich gewesen zu sein mit immer passenden (Tanz)-PartnerInnen.

Glückwunsch und schön, dich immer weiter weit laufen zu sehen bzw. anschließend darüber zu lesen :)

ultraistgut hat gesagt…

Sehr gute Einstellung, warum kommt sie mir so bekannt vor ? Wir werden wohl alle langsamer und auch gelassener - früher oder später, Genuss heißt irgendwann die Devise, das ist das,was das Laufen für mich sowieso ausmacht, auch wenn es manchmal hart ist !

deichlaeufer hat gesagt…

Moin Jörg,

mit der tollen Einstellung kannst Du den Rennsteig noch ewig laufen. Die Gelassenheit gefällt mir. Genauso wie die jedes Mal wiederkehrenden Emotionen beim Zieleinlauf.

Glückwunsch zum Finish!

LG Volker

Jörg hat gesagt…

Danke an alle - ich bin auch immer selbst begeistert, noch laufen zu können und zu wollen.